Info-Brief # 30

November 2010

Liebe Mitglieder und Freunde der Oldenburger Tafel e.V.!

Ein erfolgreiches und arbeitsames Jahr neigt sich dem Ende zu. Details erfahren Sie in diesem Infobrief.

Ausgabestelle

Es gibt viel zu tun, die Arbeit ist körperlich sehr anstrengend, aber die Stimmung ist allenthalben fröhlich. Das haben vor allem die vielen Interessenten gemerkt, die sich auf den NWZ-Helfer-aufruf im Juli gemeldet haben. Sage und schreibe 76 Menschen wollten tätig werden. Einige kamen nicht, manche sagten schnell wieder ab, aber viele sind gerne geblieben und womöglich sofort Mitglied geworden, so dass wir jetzt etwa 100 Ehrenamtliche zählen. Und niemand ist unterfordert, im Gegenteil, denn die Routine wird immer wieder durch Unvorhergesehenes aufgebrochen, so dass alle schnell reagieren müssen.
Dabei sind die Dynamiken zwischenmenschlicher Kommunikation nicht zu unterschätzen.
Unglaublich, aber immer noch lassen sich rund 25 neue Nutzer jede Woche registrieren; wir müssen wohl ernstlich über einen Aufnahmestopp nachdenken. Zunehmend gibt es Nutzer, die ein besonderes Einfühlungsvermögen verlangen. Aber auffällig ist, wie viele Nutzer bescheiden nur selten kommen oder weniger mitnehmen, als sie dürften. Dieses Verhalten ist vor allem dem freundlichen Ton der Ehrenamtlichen zuzurechnen, denen die Nutzer voller Bewunderung attestieren, dass immer alle auf Gerechtigkeit bedacht sind und auch der letzten Gruppe noch eine Auswahl ermöglichen. Dem kann sich der Vorstand nur begeistert anschließen!
Einige Zahlen:

Hilfsprojekte

Unsere Hilfsprojekte zugunsten armer Kindern sind wie üblich stark nachgefragt. Der Vorstand ist sehr vorsichtig bei der Auswahl; die Schatzmeisterin prüft alle Abrechnungen gewissenhaft. Leider tun sich die städtischen Gemeinwesenarbeiten schwer, regelmäßig Kochkurse durchzuführen. Bisher hat es nur ein paar Ferienangebote gegeben, die aber wurden gerne angenommen. Ausschlaggebend ist, dass viele Kinder eine Chance bekommen, gesunde Lebensmittel kennenzulernen, darum werden wir daran festhalten, solange genügend Spendengelder zur Verfügung gestellt werden.

Öffentlichkeitsarbeit

Wir haben endlich eine Patenklasse! Eine 5. Klasse der Waldorfschule wird uns in den nächsten Jahren mit verschiedenen Aktionen begleiten. Zum Auftakt brachten die Kinder eine große Menge haltbarer Lebensmittel zur Ausgabestelle. Die gesamte Schule wird dieses Jahr dafür sorgen, dass wir jedem bedürftigen Nutzerkind eine süße Weihnachtstüte weitergeben können. Von einer süddeutschen Stiftung erhielten wir außerdem eine große Bücherspende: Es war berührend, mit welcher andächtigen Sorgfalt sich die Kinder ihr Buch aussuchten.

Bundesverband

Die immer noch wachsende Tafellandschaft in Deutschland ruft Kritiker hervor, die aus unterschiedlichen Gründen die Modalitäten oder die gesellschaftliche Rolle der Tafeln bemängeln, ohne aber Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Es gibt positive Berichterstattungen, die Bedürftigen Mut machen, die Hilfe der Tafeln anzunehmen. Auffallend oft erkundigen sich die Mitarbeiter Oldenburger Ämter über unsere Nutzungsbedingungen; offenbar fließt der Hinweis auf unsere Tafel immer häufiger in Beratungsgespräche ein. Damit wird unsere private Hilfe von öffentlichen Stellen gleichberechtigt oder ergänzend neben staatliche Leistungen gestellt. Wir dürfen den Staat aber nicht aus seiner Verantwortung entlassen. Es darf nicht sein, dass wir als verläßliche Ergänzung wahrgenommen werden, die selbstverständlich wird. Bei der Oldenburger Tafel muss übrigens dank unseres Rotationssystems niemand entwürdigend in einer langen Schlange warten, den Blicken der Passanten ausgesetzt. Die es trotzdem vorziehen, überpünktlich bei uns zu erscheinen, um einen Plausch mit anderen Wartenden zu halten, stört es nicht, gesehen zu werden.
Der Bundesverband kommt leichter in Kontakt mit Großsponsoren, die seit kurzem - auch im eigenen Werbeinteresse - Kampagnen anbieten: Drei Konzerne veranstalten in diesem Herbst die Aktion „Ein Teil mehr“, bei der Kunden aufgefordert werden, zusätzlich mehr Lebensmittel für die lokale Tafel zu kaufen. Der Vorstand möchte zur Lidl-Pfandspende klarstellen: Das Geld wird zentral von Lidl verwaltet und nur für bestimmte Projekte auf Antrag bewilligt; diesem Antrag ist die Bilanz beizufügen. Diese Pfandspenden landen niemals direkt bei der lokalen Tafel - und wir werden unter solchen Bedingungen keine Gelder beantragen. Der Vorstand hat sich entschieden, auf manche Sponsorenangebote des Bundesverbands zugunsten wirtschaftlich instabilerer Tafeln zu verzichten, z.B. auf die jährliche Reifenfinanzierung.
Die Zusammenarbeit mit unseren benachbarten Tafeln klappt wunderbar. Erst kürzlich haben wir von Oldenburg aus vier Tonnen Geflügelwurst unter neun Tafeln aufgeteilt. Der Hersteller war tief beeindruckt, wie schnell und professionell die Abholung klappte.
Bei aller Routine wird es nie langweilig. Immer noch hochmotiviert hoffen wir darum weiter auf Ihre Unterstützung und wünschen Ihnen einen angenehmen Jahresausklang und ein geruhsames Weihnachtsfest.

Der Vorstand der Oldenburger Tafel e.V.